IN THE JUNGLE, THE MIGHTY JUNGLE (III/IV)

DUMAQUETE · PHILIPINNEN

Müßig mäandert des warme Rinnsal entlang unseres Weges. Ändert wiederholt die Farbe, mal ockergelb, dann fahlweiß, ein anderes mal glasklar. Schmale hellgrüne Farne, prächtig-bunte Blüten und dichte mittel-hohe Sträucher zieren das flache Ufer, streben empor, scheinen fast angeekelt vom lehmigen Boden.

Vager Geruch steigt in unsere Nase, wie ein Schwall warme, dicke, saure Milch – Schwefel. Das mittlerweile nachtdunkle Grün tritt theatralisch einen Schritt zurück und gibt den Blick frei. Wie ein Trog, eine Tränke, liegt die Quelle dampfend vor uns. Drumherum ragen wieder und wieder schroffe, abgeschlagene, graublaue Felsbrocken auf, als wollten sie mit ihrer rauen, ungebündelten Wildheit die Ruhe dieser Szene durcheinanderbringen. Der Geruch des bleichen Wassers gleicht einem dünnen, wässrigen Hundeatem. Gluckernd sickert es aus der Quelle und strömt über kleine Stromschnellen talwärts. Erstaunt über die hohe Temperatur ziehe ich rasch meine Finger aus dem Wasser. Heiße Quelle.

Die eiserne Regel eines jeden Teenie-Horror-Streifens: Niemals trennen! Wir haben es dennoch getan. Oh weh. Ralph und Corina warten eine knappe halbe Stunde von hier entfernt auf unserem Pfad. Der Weg wurde zu schmal, zu steil und zu insektenbesiedelt. Das knisternde Geräusch von brechendem Holz erinnert uns an die sich verdichtende Dunkelheit, den Rückweg. Ein wenig panisch hoffe ich, dass die beiden tatsächlich an verabredeter Stelle ausharren. Die unwirklich erscheinende Schönheit dieser faszinierenden Natur hatte uns die Zeit vergessen lassen. Flugs war das Licht gänzlich verschwunden. Unseren Rückweg erhellt das Handy. Des Nachts im finstren Dschungel.

UNHEIMLICHER DÄMON

In den Wäldern von Mindanao gibt es eine gar ungeheuerliche Kreatur: Sigben, flüstert Ralph mit gespielter Angst, die Augen weit aufgerissen. Wir tasten uns weiter im Dunkel voran. Das Ungeheuer kommt nachts, um seinen Opfern das Blut auszusaugen. Wir setzen einen Fuß vorsichtig vor den nächsten. Uns umgeben verdächtig erscheinende Geräusche. Es knackst, knarzt, ruft, gluckert, schnattert, klimpert. Wir hasten weiter im Dunkel voran. Ralphs Gesichtsausdruck verdüstert sich im Schein des kaltblauen Handylichts schauerlich. „Meinem Opa hat Sigben vor vielen Jahren im Wald aufgelauert, ihn heimtückisch angegriffen und mit seinen langen Fängen die Haut fast vom Leib gerissen!“ grollt Ralph theatralisch mit lauter werdender Stimme. Kindliche Angst und wohlige Schauer kriechen unsere Nacken hinauf. Wieder ein Knacken im Geäst. Ein Schwenk des Lichts: nichts.

17. Juli 2016