Ein Delfin im Mekong.

FOUR-THOUSAND-ISLANDS · LAOS

Dunkles Wasser sprudelt und gurgelt wenige fingerbreit unterhalb der Kante vorbei. Zerrt und reißt an dem schmalen, niedrigen, hölzernen Kanu. Knatternd und spuckend ächzt der Dieselmotor gegen die gewaltige Strömung an.

Der Mekong steigt. Es ist Ende der Trockenzeit, die tropischen Regenfälle füllen die versandeten und ausgetrockneten Flussbetten rasant auf. Der Strom erobert sein Gebiet zurück, drängt die Natur zurück, wächst zu seiner vollen stolzen Breite an. Von manchem Strauch ist bereits nur noch die Spitze zu sehen.

Die Four-Thousand-Islands spalten den Mekong zu einer reißenden Seenlandschaft. Größere und kleinere Inseln liegen wie willkürlich verstreute Kleckse in der Strömung. Manche üppig grün bewachsen, manche unwirtliche schroffe Felsformationen. Immer wieder ragen große knorrige Bäume aus dem Wasser. Eigentümlich gekrümmt, neigen sie sich rechtwinklig in die Horizontale, fast als würden sie sich gegen die Strömung stellen. Als wollten sie ihr etwas entgegensetzen.

Wir erreichen eine Stelle ohne Strömung. Der Fluss wirkt nun wie ein unendlicher See. Hat all seine reisserische Kraft verloren. Um uns herum treiben kleine Inseln. In der Ferne schaukeln vereinzelte Fischerboote. Das klare dunkle Wasser reflektiert die letzten Sonnenstrahlen. Roter Schimmer auf den nunmehr winzigen Wellen. Kein Motorengeräusch. Stille. Wir schaukeln sanft auf dem Fluss, Kambodscha rechts von uns, Laos links.

Mein Herz schlägt aufgeregt, ich kann es hören. Muss tief Luft in meine Lungen ziehen, habe vor Aufregung den Atem angehalten. Anspannung in all meinen Muskeln. Die kleinen Härchen auf meinen Armen sind aufgestellt wie kleine Antennen, in meinen Ohren knistert es, ich kneife die Augen zusammen. Versuche meinen Sichtbereich zu maximieren. Giere auf die erste wahrzunehmende Bewegung. Minutenlang.

Das Licht schwindet. Die zunehmende Dämmerung taucht alles in Grau. Aufgeregt starren wir in die Richtung des Zeigefingers. Suchen das Wasser in 50, 60 Meter Entfernung auf jede mögliche kleinste Bewegung ab. Enttäuschung nimmt bereits ihren Platz ein. „DA! Da ist einer! Wow.“ Ein leises Plätschern verrät den Delfin in der Ferne. Für einen unglaublich kurzen Moment taucht sein silberner Rücken auf. Sanft gleitet er wieder zurück unter das Wasser um sich einen Augenblick später noch ein weiteres Mal zu zeigen. Eines der seltensten Tiere der Welt, nur wenige Meter von mir entfernt. Ich bin gerührt und stumm vor Freude, ich habe ihn gesehen, einen der letzen Fluss-Delfine.

25. Oktober 2015